Im Gegensatz zu vielen anderen Geeks meiner Generation bin ich nicht als Kind in den Kessel mit dem Zaubertrank gefallen, sondern bin eigentlich erst relativ spät mit Computern warm geworden. Zwar hatte ich als Kind öfters mal flüchtig mit Computern zu tun, mich aber von Spielen abgesehen erstmal nicht dafür interessiert (so ein DR-DOS oder Windows 3.11 ließ ja auch nicht auf den ersten Blick vermuten, was für ein Potential in so einem Computer steckt). Der PC der schließlich ins Haus kam hat auch kein Interesse geweckt sondern eher Abneigung, denn das Betriebssystem verlangte quasi ununterbrochen nach Wartung und hat zwischendurch zu selten mal bestimmungsgemäß funktioniert — da hätte ich mir auch ein Tamagochi zulegen können.
Nach dem durchgefallenen PC wurde dann ein Mac angeschafft — mitten in der großen Mac-Krise in der die schlechtesten Macs gebaut wurden. Aber der Mac war immerhin ästhetisch ansprechender, weniger laut und das System verlangte viel seltener nach Wartung. Der Mangel an Spielen und Software – im starken Kontrast zu den multimedialen Möglichkeiten – reizten auch bald mein Interesse an Programmierung, aber an freie IDEs war natürlich noch nicht zu denken und Linux war damals wirklich noch nichts für Neulinge… schon gar nicht auf so esoterischer Hardware.
Insgesamt ist es dann doch eher bei Hausaufgaben und Spielereien mit Hypercard geblieben, bis ich mir zum Studium ein iBook zulegte. MacOS X 10.2 war schon etwas besser als MacOS 9 und es hatte etwas enorm wichtiges, das ich auch bald entdeckte: eine Shell. Nicht so eine stark eingeschränkte DOS-Kommandozeile, sondern eine richtige Shell. Und was noch viel wichtiger war: da war Unix drunter. Tja, in dem Semester ist vom Studium nicht viel hängen geblieben, ich war viel zu sehr damit beschäftigt erst den BSD-Kern unter MacOS X, dann die restliche BSD-Welt und schließlich Linux für mich zu entdecken. Ein Jahr später war ich dann auf der Kommandozeile quasi eingezogen.
Aus dem Hobby wurde bald ein Ehrenamt, als ich neben meiner ebenfalls ehrenamtlichen Vorstandstätigkeit für das Jugendnetzwerk Lambda Berlin-Brandenburg auch die Systemadministration übernahm. Dem Ehrenamt folgten erst kleinere, dann größere Jobs und ich merkte bald, daß ich eine mir ziemlich angenehme Kombination aus Leben, Lernen und Arbeiten gefunden hatte. In einem Anfall von man muß in Deutschland doch irgend eine Ausbildung abgeschlossen haben
, hab ich dann noch in zwei Jahren (noch schneller ging's leider nicht) die Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert und war in der Zeit bei der Pinguin AG tätig.
Der Berufsschulteil war eher was zum aussitzen: leider sehr verschult (bis hin zum obligatorischen Sportunterricht und natürlich der Staatsbürgerkunde, euphemistisch Wirtschafts- und Sozialkunde
genannt), inhaltlich eher oberflächlich und Windows-lastig. Etwas schockierend fand ich auch, wie stark der Einfluß von quasi-Monopolisten wie Microsoft und Cisco auf die Berufsschulausbildung ist – beide Firmen waren mit eigenen Ausbildungsprogrammen vertreten und haben natürlich stark die eigene Werbetrommel gerührt und primär auf ihre Produkte zugeschnittenes Wissen vermittelt. Hier fehlte insgesamt der Tiefgang – das kann man auch alles in Manuals und Manpages lesen, dort lernt man sogar teilweise mehr. Ich lese lieber ein gutes Buch zum jeweiligen Thema und verankere Wissen auch lieber mit praktischer Erfahrung als mit Tests im Gedächtnis.
Wenn ich mich mit etwas auseinandersetze, dann möchte ich es meistens ganz genau wissen und ein tieferes Verständnis davon erwerben. Mir genügt es einfach nicht "mal über Ethernet geredet" und einen Test über den Aufbau des Headers geschrieben zu haben und auf Ansagen wie "macht das bitte einfach immer genau so und nicht anders" reagiere ich allergisch, wenn keine Erklärung folgt. Deutlich angenehmer war da schon das Erlebnis, mal eine IT-Abteilung in einem größeren, mittelständischen Unternehmen von innen gesehen und die Prozesse die da ablaufen mal erlebt zu haben (und sei es nur, um Dilbert besser zu verstehen).
Ich lebe und arbeite in Berlin-Kreuzberg und denke seit einer Weile darüber nach, mit meinem Freund zusammenzuziehen. Ich setze mich dafür ein, daß in Schulen und Universitäten nur freie und quelloffene Software zum Einsatz kommt und engagiere ich mich in meiner Freizeit auch sonst häufiger netzpolitisch. 2005 habe ich zusammen mit einem guten Freund den RFID-Zapper entwickelt, eine zum Unbrauchbarmachen von RFID-Funkchips umgebaute Einwegkamera — quasi eine Art Mini-EMP — und diesen dann am Ende des Jahres auf dem 22C3, dem jährlichen Kongress des Chaos Computer Clubs, vorgestellt. Ich lese gern und viel und möchte eigentlich auch wieder mehr selbst schreiben, wozu ich aber seit Jahren allzu selten die Muße finde. Ich begeistere mich für elektronische Musik, insbesondere wenn sie aus Synthesizern kommt und hege ein großes Interesse an Sprachen und allem was damit zu tun hat.
