Maschinenraum

Christopher Hirschmann


Im Gegen­satz zu vielen anderen Geeks meiner Ge­ne­ra­ti­on bin ich nicht als Kind in den Kes­sel mit dem Zauber­trank ge­fallen, sondern bin eigent­lich erst re­la­tiv spät mit Com­pu­tern warm ge­worden. Zwar hat­te ich als Kind öf­ters mal flüch­tig mit Com­pu­tern zu tun, mich aber von Spiel­en ab­ge­seh­en erst­mal nicht dafür in­ter­es­siert (so ein DR-DOS oder Win­dows 3.11 ließ ja auch nicht auf den erst­en Blick ver­mu­ten, was für ein Po­ten­ti­al in so ein­em Com­pu­ter steckt). Der PC der schließ­lich ins Haus kam hat auch kein In­ter­es­se ge­weckt son­dern eher Ab­neig­ung, denn das Be­triebs­sys­tem ver­lang­te qua­si un­un­ter­broch­en nach Wart­ung und hat zwischen­durch zu selt­en mal be­stim­mungs­ge­mäß funk­tio­niert — da hätte ich mir auch ein Tamagochi zu­leg­en kön­nen.

Nach dem durch­ge­fal­len­en PC wur­de dann ein Mac an­ge­schafft — mit­ten in der großen Mac-Krise in der die schlechtesten Macs ge­baut wur­den. Aber der Mac war im­mer­hin äs­the­tisch an­sprech­end­er, wenig­er laut und das Sys­tem ver­lang­te viel sel­ten­er nach Wart­ung. Der Mang­el an Spiel­en und Soft­ware – im stark­en Kon­trast zu den mul­ti­medial­en Mög­lich­keit­en – reizt­en auch bald mein In­ter­es­se an Pro­gram­mier­ung, aber an freie IDEs war na­tür­lich noch nicht zu denk­en und Linux war damals wirk­lich noch nichts für Neu­linge… schon gar nicht auf so eso­ter­isch­er Hard­ware.

Ins­ge­samt ist es dann doch eher bei Haus­auf­ga­ben und Spiel­erei­en mit Hypercard geblieben, bis ich mir zum Stu­di­um ein iBook zu­leg­te. MacOS X 10.2 war schon et­was bes­ser als MacOS 9 und es hat­te et­was enorm wich­tiges, das ich auch bald ent­deck­te: eine Shell. Nicht so eine stark ein­ge­schränk­te DOS-Kom­mando­zei­le, sondern eine rich­tige Shell. Und was noch viel wich­tiger war: da war Unix drun­ter. Tja, in dem Se­mes­ter ist vom Stu­di­um nicht viel häng­en ge­blieb­en, ich war viel zu sehr da­mit be­schäftigt erst den BSD-Kern unter MacOS X, dann die rest­liche BSD-Welt und schließ­lich Linux für mich zu ent­deck­en. Ein Jahr spät­er war ich dann auf der Kom­mando­zeile quasi ein­ge­zog­en.

Aus dem Hob­by wur­de bald ein Ehren­amt, als ich neben meiner eben­falls ehren­amt­lichen Vor­stands­tätig­keit für das Jugend­netz­werk Lambda Berlin-Branden­burg auch die Sys­tem­adminis­tra­ti­on über­nahm. Dem Ehren­amt folg­ten erst kleinere, dann größere Jobs und ich merk­te bald, daß ich eine mir ziem­lich an­ge­nehme Kom­bi­na­ti­on aus Leb­en, Ler­nen und Ar­beit­en ge­fund­en hat­te. In ein­em An­fall von man muß in Deutsch­land doch irgend eine Aus­bil­dung ab­ge­schlos­sen hab­en, hab ich dann noch in zwei Jahr­en (noch schnel­ler ging's lei­der nicht) die Aus­bil­dung zum Fach­in­for­ma­tik­er ab­sol­viert und war in der Zeit bei der Pinguin AG tätig.

Der Berufs­schul­teil war eher was zum aus­sitzen: leider sehr ver­schult (bis hin zum ob­li­ga­to­rischen Sport­unter­richt und natür­lich der Staats­bürger­kunde, eu­phe­mis­tisch Wirt­schafts- und Sozial­kunde ge­nannt), in­halt­lich eher ober­fläch­lich und Win­dows-lastig. Etwas schockierend fand ich auch, wie stark der Ein­fluß von quasi-Mo­no­polisten wie Microsoft und Cisco auf die Berufs­schul­aus­bil­dung ist – beide Firmen waren mit eigenen Aus­bil­dungs­pro­gram­men ver­tre­ten und hab­en natür­lich stark die eigene Wer­be­trom­mel ge­rührt und pri­mär auf ihre Pro­duk­te zuge­schnit­ten­es Wis­sen ver­mit­telt. Hier fehl­te ins­ge­samt der Tief­gang – das kann man auch alles in Manuals und Man­pages lesen, dort lernt man sogar teil­weise mehr. Ich lese lie­ber ein gu­tes Buch zum je­weiligen Thema und ver­ankere Wis­sen auch lieber mit prak­tischer Er­fahrung als mit Tests im Ge­dächtnis.

Wenn ich mich mit etwas aus­ein­ander­setze, dann möchte ich es meistens ganz genau wissen und ein tieferes Ver­ständ­nis davon er­werben. Mir genügt es einfach nicht "mal über Ethernet ge­redet" und einen Test über den Auf­bau des Headers ge­schrieben zu haben und auf An­sagen wie "macht das bitte einfach immer genau so und nicht anders" reagiere ich al­ler­gisch, wenn keine Er­klärung folgt. Deut­lich an­ge­nehmer war da schon das Er­lebnis, mal eine IT-Ab­teilung in einem größeren, mittel­ständischen Unter­nehmen von innen ge­sehen und die Prozesse die da ab­laufen mal er­lebt zu haben (und sei es nur, um Dilbert besser zu ver­stehen).

Ich lebe und ar­beite in Berlin-Kreuz­berg und denke seit einer Weile darüber nach, mit meinem Freund zu­sam­men­zu­ziehen. Ich setze mich dafür ein, daß in Schulen und Uni­ver­si­tä­ten nur freie und quell­offene Soft­ware zum Ein­satz kommt und en­gagiere ich mich in meiner Frei­zeit auch sonst häufiger netz­politisch. 2005 habe ich zu­sam­men mit einem guten Freund den RFID-Zapper ent­wickelt, eine zum Un­brauch­bar­machen von RFID-Funk­chips um­ge­baute Ein­weg­kamera — quasi eine Art Mini-EMP — und diesen dann am Ende des Jahres auf dem 22C3, dem jähr­lichen Kon­gress des Chaos Com­pu­ter Clubs, vor­ge­stellt. Ich lese gern und viel und möchte eigent­lich auch wieder mehr selbst schreib­en, wozu ich aber seit Jahren allzu selten die Muße finde. Ich be­geistere mich für elek­t­ro­nische Musik, ins­besondere wenn sie aus Syn­the­si­zern kommt und hege ein großes In­teres­se an Sprachen und allem was damit zu tun hat.

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